Strompreise: Altkunden zahlen 47 Prozent mehr als Neukunden
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Treue Kunden im Strombereich überwiesen 2025 rund 11 Milliarden Euro zu viel; potenziell betroffen seien bis zu 30 Millionen Haushalte.
Wer über längere Zeit bei seinem Stromanbieter bleibt, zahlt dafür häufig einen hohen Preis. Einer aktuellen Studie von der RWTH Aachen und Octopus Energy* zufolge haben treue Stromkunden in Deutschland 2025 knapp 11 Milliarden Euro mehr gezahlt als erforderlich gewesen wäre.
Demnach waren fast 75 Prozent der deutschen Haushalte – bis zu 30 Millionen – von dieser sogenannten „Treuestrafung“ betroffen.
Für die Studie analysierten die Wissenschaftler erstmals tausende Preisanpassungsschreiben von privaten Haushalten.
Das Ergebnis: Bestandskunden (Altkunden) zahlen im Mittel 13 Cent je kWh mehr als neue Kunden – ein Preisaufschlag von rund 47 Prozent. Gemäß der Analyse erhöhen sich die Tarife nach ungefähr 11 bis 14 Monaten um fast 19 bis 24 Prozent.
Die Leiter der Studie bezeichnen das zugrunde liegende Geschäftsmodell als „Abzocken und Anlocken“: Energieversorger locken Haushalte zunächst mit günstigen Einsteiger-Tarifen, erhöhen die Preise anschließend jedoch deutlich.
Von den insgesamt 11 Milliarden Euro an Zusatzkosten entfallen lediglich knapp 4 Milliarden auf Kunden in der Grundversorgung – der größere Anteil betrifft Verbraucher bei wettbewerblichen Alternativanbietern*.
Wechsel spart Hunderte Euro – doch die Preisschere wächst
Für einzelne Haushalte können die finanziellen Folgen erheblich sein: Wer bei einem wettbewerblichen Versorger bleibt, könnte durch einen Tarifwechsel im Mittel fast 304 Euro jährlich einsparen. In der Grundversorgung beträgt die mögliche Ersparnis rund 492 Euro pro Jahr.
Aktuelle Zahlen des Vergleichsportals Strom-Report verdeutlichen die großen Preisdifferenzen auf dem Strommarkt: Neukunden zahlen gegenwärtig im Mittel rund 25 Cent je kWh, während Altkunden fast 31,2 Cent berappen. In der Grundversorgung landet der Preis bei rund 42,8 Cent je kWh.
Die Energiekrise hat den Preisunterschied zwischen den Anbietern deutlich vergrößert. Während ein Anbieterwechsel in den Jahren 2018 bis 2021 durchschnittlich noch Einsparungen von 121 bis 241 Euro brachte, ist dieser Betrag heute beinahe dreimal so hoch.
Laut der Untersuchung ist zudem auch drei Jahre nach der Krise nicht damit zu rechnen, dass sich das frühere Preisniveau wieder einstellt.
Der deutsche Strommarkt entwickelt sich immer mehr zu einer Gesellschaft mit starken sozialen Unterschieden
Außerdem bemängelt die Untersuchung deutliche Defizite bei der Transparenz. Während sich die Tarife für neue Kunden stark an den Strom-Großhandelspreisen orientieren, werden die Preise für Altkunden häufig weitgehend frei davon angehoben.
In ihren Preisanpassungsschreiben argumentieren Versorger das oft pauschal mit erhöhten Kosten für „Einkauf und Vertrieb“, ohne einen klaren und nachvollziehbaren Bezug zur wirklichen Marktentwicklung herzustellen.
Bastian Gierull, Deutschlandchef von Octopus Energy*, übt deutliche Kritik an der Branche. Seiner Meinung nach entwickelt sich der deutsche Strommarkt immer mehr zu einer Gesellschaft mit starken sozialen Unterschieden:
Während Energieanbieter im Wettbewerb um neue Kunden zum Teil auch mit negativen Margen rechnen, müssten treue Altkunden erheblich teurere Preise berappen.
Besonders problematisch sei, dass davon oftmals gerade Bürger betroffen seien, die sich ansteigende Kosten am wenigsten zumuten können. Gemäß Gierull handele es sich hierbei nicht nur um das Verhalten einiger zweifelhafter Versorger sondern um ein strukturelles Problem des kompletten Sektors.
Mit Angaben www.berliner-zeitung.de/14.03.2026












